Auf Tuchfühlung mit den neuen Nachbarn

Begegnungsangebote im Bürgerhaus Kannenstieg für Deutsche und Migranten

Viele bunte Hände sind am Ende der zwei Stunden auf der Leinwand vereint. Einige sehen aus wie kleine Monster, andere wie Flamingos. Wer sie gemalt hat, sieht man nicht mehr – ob aus Syrien, der Ukraine oder Magdeburg. Das Ergebnis des Erzählcafés im Bürgerhaus Kannenstieg hängt damit jetzt als Beispiel für Integration im Flur der Einrichtung.

Seit Oktober 2015 gibt es das monatliche Angebot des Deutschen Familienverbands Sachsen-Anhalt (DFV). „Wir sind ein niedrigschwelliges Begegnungsangebot für Migranten und Deutsche“, sagt Projektkoordinatorin Julia Walstab. Niedrigschwellig auch deshalb, weil viel mit Händen und Füßen gearbeitet wird, damit es keine Hemmnisse aufgrund der unterschiedlichen Sprachen gibt. Über Musik oder beim Backen und Kochen sollen so ungezwungen Kontakte zwischen Einheimischen und Neubürgern geknüpft werden. „Wir wollen einen Raum bieten, wo Begegnung stattfinden kann“, ergänzt sie.

Begegnungen gibt es zum Beispiel mit den Besuchern des Jugendclubs der Jungen Humanisten oder den Seniorinnen, die regelmäßig im Alten- und Service-Zentrum (ASZ) sind, die beide ebenfalls im Bürgerhaus in der Johannes-R.-Becher-Straße 57 zu finden sind. Doch auch wenn es schon solche Kontakte gibt, „wäre noch mehr Zuspruch aus der direkten Nachbarschaft im Kannenstieg wünschenswert“, sagt Michael Korn, der die Sprachkurse des DFV betreut.

Er vermutet Berührungsängste als Grund für die bisherige Zurückhaltung. Bei der traditionellen Putzaktion am Bürgerhaus im Rahmen der stadtweiten Aktion „Magdeburg putzt sich“ sollen demnächst alle zusammen anpacken.

Die Sprachkurse sind mehr als gut besucht, bei der letzten Anmeldung kamen 80 Interessenten, von denen etliche wieder weggeschickt werden mussten. Neun Kleingruppen gibt es derzeit in vier verschiedenen Lernstufen. Das Besondere: Sie können von all jenen besucht werden, für die die richtigen Integrationskurse nicht offen stehen, wie Asylbewerber, die auf ihre Entscheidung warten, Ausländer, die nur geduldet werden, oder EU-Ausländer. Unterrichtet werden sie ehrenamtlich, von Studenten oder pensionierten Lehrern, berichtet Michael Korn.

Als einzige Einrichtung der Stadt arbeitet der DFV mit dem Jugendamt für die Clearingstelle für unbegleitete, minderjährige Asylbewerber zusammen. Auch sie kommen regelmäßig in die Sprachkurse, zusätzlich zum Unterricht in der Schule, und werden in verschiedenen Projekten betreut. Trotz beständiger Wechsel, weil sie nur drei Monate in der Clearingstelle sind, „läuft das seit vorigem Jahr sehr gut“, sagt Michael Korn.

Das Bürgerhaus ist auch in allen anderen Angelegenheiten Anlaufstelle für Ausländer, die neu in der Stadt sind. Die zentrale Beratungsstelle für Migranten ist dort untergebracht, Daniel Krüger kümmert sich um alle Anliegen von Hilfe bei Behördengängen bis zur Vermittlung von Hilfsangeboten. „Hier geht niemand raus, ohne etwas bekommen zu haben“, sagt er.

Das Erzählcafé wird monatlich angeboten, die nächsten Termine stehen bereits fest: Am 3. April wird gemeinsam für den Frühling und Ostern gebastelt. Am 22. Mai wird auf der Kinderbaustelle des DFV mit Holz gewerkelt. Schließlich geht es am 12. Juni zum Picknick ins Grüne. Wie zu allen Aktivitäten sind alle Interessierten dazu eingeladen, also auch ausdrücklich Familien aus dem Stadtteil.

Auch wenn sie bei der Auslastung der freiwillig durchgeführten Sprachkurse an die Kapazitätsgrenzen kommen, suchen die drei Mitarbeiter im Bürgerhaus weitere Helfer. „Für Ehrenamtliche haben wir noch genug Platz“, ruft Julia Walstab Engagierte zur Mitarbeit auf.

Infos und Termine unter www.dfv-lsa.de.

(Quelle: Volksstimme, 07.03.2017)

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