Lindwurm: Geliebtes Ungeheuer über dem Ring

Sommerserie Kurioses, Kunst & Kontroversen (6): Ein Drache aus Stahl überspannt seit elf Jahren die Tangente im Norden der Stadt

Es hauste einst die willfährige Lindwurm-Kreatur eines Zauberers in der Gegend um den heutigen Neustädter Platz …

Die Magdeburgerin Astrid Weinhold hat die Sage vom Drachen und Rothensee in ihrer Arbeit Stahl auf Brücke „Lindwurm“ aufgegriffen und anlässlich der 1200-Jahr-Feier Magdeburgs mit Hilfe vieler Partner verwirklicht.

Seit nunmehr fast zwölf Jahren prangt der Großwurm huckepack auf der Fußgängerbrücke zwischen Hanns-Eisler-Platz und Salvador-Allende-Straße über den Magdeburger Ring. Als ein gewaltiges, trotz düsterer Vergangenheit und nächtlichen „Feuerspeiens“ dennoch zu mögendes buntes Fabelwesen aus Stahl.

Merkwürdiger Beobachter

Ihm wird von Fans das Attribut „größte“ Drachenskulptur Europas zuerkannt. Außerdem sprechen Kraftfahrer vom merkwürdigsten und lustigsten Verkehrsbeobachter weit und breit – ein Untier mit gebleckten Zähnen und herausgestreckter Zunge. Kinder lieben den Lindwurm vom ersten Tag an. Das sagt nicht nur die Schöpferin des Lindwurms, sondern auch Marcel Härtel, Stadtteilmanager, oder Doris Nikoll, ehemals Projektverantwortliche des Stadtplanungsamtes.

Die Ankunft des 34,5 Meter langen Untiers fiel auf die Nacht vom 16. zum 17. Dezember 2005. In drei Teile geschnitten kam es von seiner Geburtsstätte Technische Dienste GmbH Espenhain per Schwertransportern in Magdeburg an. Zuvor war es wochenlang in diesem Bergbauservice-Betrieb aus Stahlrohren, Laschen, Verbindern geschweißt und mit den Grundfarben Grün, Rot und Gelb lackiert worden. Bereits am Morgen nach seiner Ankunft war der Lindwurm zusammengefügt und auf der Brücke verankert.

Unterschiedliche Sichten

Insgesamt 14 Tonnen schwer, wird seitdem das Metallgebilde auf der die Stadtteile Kannenstieg und Neustädter See verbindenden Brücke als populäre Hinzufügung geradezu gefeiert. Erst recht, wenn’s dunkel wird und die Illumination erstrahlt. Für andere ist der Lindwurm auch heute noch ein Grund, sich eher abzuwenden. Als Kunstwerk sei es zu naturalistisch und grellbunt, zu spielerisch, zu wenig Aussage. Handwerklich sei es mehr eine Schlosserarbeit ...

Für eine dritte Gruppe wiederum, Kita-Kinder aus der Umgebung und Barleben, ist der Lindwurm Pilgerziel Nummer 1.

Pro und Kontra

Die Geschichte dieser Skulptur von Nord ist zugleich ein Stück Bürgerengagement. Viele Geschichten gibt es darüber zu erzählen.

Astrid Weinhold, die am Neustädter See mit Plastiken wie die „Ameisenschlacht“ oder „Trauriger Thor“ hervorgetreten war, hatte 2003 im Zuge der bevorstehenden 1200-Jahr-Feier Skizzen und Pläne für das Gestaltungselement auf der Brücke vorgelegt. Bei den Spitzen im Baudezernat und im Stadtplanungsamt rannte sie mit ihrer Stahlplastik aus der Heimatsagenwelt offene Türen ein. Im Stadtrat gab es Pro und Kontra. Vor allem Ablehnung, sagt heute Doris Nikoll. Schließlich fiel doch ein Beschluss – knappe Mehrheit für das Fabeltier.

Die Kosten zu stemmen war die schwierigste Hürde. Astrid Weinhold, Doris Nikoll und andere fanden Sponsoren. Die heute nicht mehr künstlerisch tätige Lindwurm-Erschafferin verzichtete sogar auf ihr Honorar von 15 000 Euro. Landtagspräsident Dieter Steinecke spendete das Lichtgeld.

Happy End umgekehrt

Die Farbgestaltung bereitete lange Zeit Sorge. Die Farbe Rot wurde zunächst grundsätzlich abgelehnt, weil es als vermeintliches Ampelrot Verwirrung stiften könnte. Als Kompromiss leuchten lediglich das Lindwurmherz und der Verdauungstrakt nachts in Rot.

Wie die Sage ging die neuzeitliche Lindwurmstory mit einem Happy End aus – wenn auch im umgekehrten Sinne: Der Drache lebt. In den Herzen der Stadtteilbewohner als „ein aus der Gegend und aus der Gemeinwesenarbeit nicht mehr wegzudenkendes Kunstwerk“, beteuert Marcel Härtel und verrät: „Ein Lindwurm wird bald unser künftiges Maskottchen.“

(Quelle: Volksstimme, 07.08.2017)

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