Kurioser Coup: Familie Nord zieht nach Nord

Ausstellung über 40-jährige Geschichte des Wohngebiets als spannender Auftakt für Festjahr
Von Stefan Harter
  Neustädter See/Kannenstieg   

Dicht an dicht stehen die Besucher vor den großen Ausstellungstafeln in der Hoffnungsgemeinde, so groß ist das Interesse zur Eröffnung der „40 Jahre Nord“-Reihe. Nach einer Einleitung des Bürgervereinsvorsitzenden Marcel Härtel wurde die Schau gestern Nachmittag bei sehr gutem Zuspruch eingeweiht. In chronologischer Reihenfolge verfolgt der Betrachter den Auf-, Rück- und Neubau eines Wohngebiets.    „Schau, da ist dein Papa zur Schule gegangen“, zeigt Karl-Heinz Adolf seinem Enkel Niklas ein Schwarz-Weiß-Foto. „Und hier ist die Jungfernfahrt der Linie 8 am 3. Oktober 1975“, wandert sein Finger zum nächsten Bild weiter. Das findet der Junge besonders interessant, schließlich will er Straßenbahnfahrer werden. „Damals mussten wir mit Gummistiefeln zur Straßen bahn gehen, weil zwar die Schienen, aber nicht die Wege gemacht waren“, erinnert sich sein Großvater.

Erinnerungen ist das Zauberwort, das für die meisten „Nordlichter“ die Ausstellung zu einem Aha-Erlebnis werden lässt. Denn manch einer wird beim Anblick der Fotos von der Einweihung des FDJ-Jugendklubs „Aleksis Kivi“ oder der Kaufhalle am damaligen Paul-Markowski-Platz denken: „Ach ja, so sah es damals hier aus.“    „Ich finde es gut, dass nicht irgendwelche Fotografen ihre Aufnahmen zur Verfügung gestellt haben, sondern sie aus der Bevölkerung kommen“, sagt Barbara Reinhardt. Sie wohnt seit 1976 im Kannenstieg und hat z.B. das frühere Aussehen des mittlerweile umgebauten Kannenstieg-Centers bereits wieder vergessen. „Ich hätte auch noch Material gehabt“, sagt ihre Freundin Elke Schefter, die seit 1979 auf der Seeseite des Wohngebiets Nord lebt. „Wir wohnen gerne hier. Es ist schön, dass so Erinnerungen geweckt werden“, erklärt sie. Nur Fotos vom Inneren der „Bördestube“ habe sie vermisst.    Zahlreiche Anwohner hatten in den tiefsten Tiefen ihrer Archive gebuddelt, um die Ausstellung im Laufe des vergangenen Jahres zusammenzutragen, erzählt Sandra Täntzler vom Bürgerverein „Nord“ e.V. „Dass so viel Material so lange Zeit aufgehoben wurde, zeigt die Verbundenheit der Leute mit ihrem Stadtteil“, ergänzt sie stolz.    Unter den dabei gefundenen Dokumenten sind auch viele Artikel der Volksstimme, die den Aufbau Wohnung für Wohnung begleitet hatte. Ein Jahr nach der Grundsteinlegung titelte sie z.B. „Der September wird Monat höchster Planerfüllung“. 11 000 Wohnungen für 33 000 Menschen stampfte man damals Block für Block aus dem Boden.    Der Hauseingang Pablo-Neruda-Straße 4 war der erste, der bezogen wurde. Siegfried Simonski erhielt mit seiner Familie den ersten Schlüssel. Kurze Zeit später konnte die Volksstimme einen kuriosen Coup der Wohnungsvermittler vermelden. Familie Nord zog nach Nord und zwar in die 1000. Wohnung.    • Die Ausstellung ist bis 22. Februar im Krähenstieg 2 zu sehen.

(Quelle: Volksstimme)

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