Ausgezaubert: "Mehrlin" nicht nur im Soll

Das Sozialprojekt "Mehrlin" ist Geschichte. Nach drei Jahren beendeten die sechs Netzwerkpartner ihre Zusammenarbeit und zogen Bilanz. Erfreulich: Statt 50 anvisierter Vermittlungen wurde 62 Arbeitslosen ein Einstieg in den Arbeitsmarkt ermöglicht.

 

Als "Mehrlin" 2011 seinen "Zauberhut" in den Ring der Sozialregion Nord warf, war der Anspruch groß. Denn der Name des groß angelegten Pilotprojekts stand für "Mehr Lebensqualität in Nord". Zwei Millionen Euro wurden zur Verfügung gestellt, um Langzeitarbeitslose erfolgreich in eine Beschäftigung zu vermitteln. Ein Großteil des Geldes kam aus dem EU-Förderprogramm "Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier" (BIWAQ).

Die Sozialregion Nord hielt als Testort her, weil sich der Stadtteilatlas der Verwaltung als sozialen Brennpunkt mit einer hohen Quote an Langzeitarbeitslosigkeit ausgewiesen hatte. Insbesondere Alleinerziehende, junge Menschen unter 25 Jahren, Erwachsene über 55 Jahre, Behinderte und Menschen mit Migrationshintergrund sollte nun geholfen werden, Fuß im Arbeitsmarkt zu fassen.

Mit festen Vorgaben ging man damals in die dreijährige Projektphase. Michael Scherschel, Chef der mit der Projektleitung beauftragten SPI Soziale Stadt und Land Entwicklungsgesellschaft diktierte dem Volksstimme-Reporter zu Start ins Notizbuch: "Wir wollen mindestens 50 Personen in feste Arbeit vermitteln, 20 Jugendliche in Ausbildung und 25 Existenzgründungen begleiten. Daran muss sich "Mehrlin" messen lassen."

Nun, geht man danach, kann das Projekt nur als Teilerfolg gewertet werden. Sowohl bei den Jugendlichen als auch bei den Existenzgründungen wurden die genannten Zahlen nicht erreicht. Aber immerhin: 52 Teilnehmern konnte eine Anstellung vermittelt werden.

Sechs verschiedene Institutionen arbeiteten gemeinsam im "Mehrlin"-Netzwerk, tauschten ihre Teilnehmer untereinander aus und erweiterten deren Fähigkeiten. Das Teilprojekt "Hoffnungsarbeit in Nord- sozial und kulturell" in der Hoffnungskirche entwickelte sich z.B. zu einem Anlaufpunkt für hilfesuchende Migranten und Flüchtlinge. 49 Teilnehmer wurden dort z.B. in Kommunikationskursen geschult, bei der Integration unterstützt oder mit Tätigkeiten vertraut gemacht, die für den einen Einstieg in das Arbeitsleben wichtige Voraussetzung sind. Weitere 120 Menschen wurden beraten.

Über 10000 Menschen kamen mit den verschiedenen Angeboten des Teilprojekts "Gesundheitsmanagement" zur Förderung des Gesundheitsbewusstseins in Kontakt.

In der "Berufs- und Entwicklungsberatung" wurden 358 Teilnehmern Zukunftsperspektiven aufgezeigt, Kontakte zu möglichen Arbeitgebern vermittelt und Existenzgründerberatungen durchgeführt. 130 Unternehmen wurden zudem in Personalfragen beraten.

"BIQ- Bildung im Quartier" vermittelte 286 Arbeitslosen, darunter ein Großteil Migranten, für den Arbeitsmarkt relevantes Wissen, z.B. in Sprachkursen, Vorgabe waren hier lediglich 120.

Im Teilprojekt "J4B" wurden 173 Jugendliche beraten, ein Teil davon arbeitete zudem in Beschäftigungsprojekten. Ziel war es, die Teilnehmer auf den Berufsalltag vorzubereiten und Bewerbungshilfen zu geben. Das Sozialkaufhaus "fair.kaufen" in Olvenstedt geriet bereits vor Beendigung des "Mehrlin"-Projekts in die Schlagzeilen, als der Träger in Insolvenz geriet. Dennoch besuchten während dieser Zeit 25000 Kunden das Haus, das so zum Treff in der Sozialregion geworden war.

Welche Lehren die Stadtverwaltung aus dem Pilotprojekt gezogen hat, wird derzeit noch ausgewertet. Wie Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra auf Volksstimme-Anfrage mitteilt, "bereitet das Sozialdezernat für Ende Oktober eine offizielle Stellungnahme und Bilanz für das Mehrlin-Projekt vor."

(Quelle: Volksstimme, 10.10.2014)

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