Wie die Bahn in den Kannenstieg kommt

Die wichtigsten Fakten zum Bau der neuen Trasse der Magdeburger Verkehrsbetriebe im Norden der Stadt

Fassungsloses Kopfschütteln bei Anwohnern im Kannenstieg: Mit der neuen Straßenbahntrasse wird es vier neue Ampeln auf der Strecke geben, einige Parkplätze fallen weg und während der Bauzeit kommt es zu Vollsperrungen und Umleitungen durchs Danziger Dorf.

Höhnisches Lachen und verständnisloses Grummeln hallten den Magdeburger Verkehrsbetrieben (MVB) mehrfach beim Bürger-Infoabend in der Grundschule „Kannenstieg“ entgegen. Dort hatten in persona MVB-Chefin Birgit Münster-Rendel, Lars Kersten (MVB-Abteilungsleiter Einkauf), Uwe Schulz (MVB-Abteilungsleiter Verkehrsplanung) und Falko Fischer von der Dr. Brenner Ingenieurgesellschaft mbH am Donnerstagabend die konkreten Pläne für die neue Trasse erläutert.

Genau genommen stellten die Planer den Bauabschnitt 6 der 2. Nord-Süd-Verbindung der Straßenbahn in Magdeburg vor. Es ist genau jener eine Kilometer, der durch die Johannes-R.-Becher-Straße führen wird. Dieser Abschnitt soll Ende 2020 fertig sein.

Die gesamte neue Nord-Süd-Verbindung durch Magdeburg umfasst etwa 13,5 Kilometer und soll 2022 auf der kompletten Strecke in Betrieb gehen – sofern keine Überraschungen während des Baus auftreten und das Wetter mitspielt.

Der fertiggestellte Bauabschnitt 6 im Kannenstieg wird eigenständig nutzbar sein, also unabhängig davon, ob in anderen Abschnitten noch gebaut wird – beispielsweise im Abschnitt 5 im Neustädter Feld, für den es laut MVB noch keinen Planfeststellungsbeschluss gibt.

Und das sind die Pläne:

Haltestellen

In der Johannes-R.-Becher-Straße sind vier barrierefreie Haltestellen geplant: am Milchweg, am Hanns-Eisler-Platz vor dem Einkaufszentrum, auf Höhe Pablo-Picasso-Straße und an der Endhaltestelle Kannenstieg mit Wendeschleife.

Ampeln

Vier neue Ampeln wird es in der Johannes-R.-Becher-Straße für einen sicheren Übergang geben. Diese seien laut MVB Pflicht. Einige schalten nur auf Rot, wenn eine Straßenbahn kommt.

Die erste Ampel wird wegen der Gleisverschwenkung auf Höhe Einkaufsmarkt und Pflegeheim errichtet. An dieser Stelle quert die Bahn die Straße.

Die zweite Ampel ist an der Kreuzung Hanns-Eisler-Platz geplant. Eine dritte wird an der neuen vierarmig ausgebauten Kreuzung Pablo-Picasso-Straße errichtet.

Die vierte Ampel entsteht an der Kreuzung Hans-Grundig-Straße.

Umleitung

Während der einzelnen Bauphasen kommt es immer wieder zu Sperrungen von Teilabschnitten der Johannes-R.-Becher-Straße. Den größten Umweg werden Autofahrer ab Frühjahr 2020 einplanen müssen. Denn bis Ende der Sommerferien 2020 soll die Zufahrt von der Ebendorfer Chaussee in die Johannes-R.-Becher-Straße gesperrt werden.

Umleitungen sind über den Loitscher Weg im Danziger Dorf und – von der Tangente kommend – über den Neuen Sülzeweg angedacht.

Geprüft wurde, den Wendehammer an der Otto-Nagel-Straße zur Ebendorfer Chaussee hin zu öffnen. Allerdings stört hier die direkte Nähe zum Magdeburger Ring, dessen Abfahrt an dieser Stelle gesperrt werden müsste. Deshalb wurde von dieser Option Abstand genommen.

Parken

Mit dem Bau der Straßenbahntrasse fallen im Wohngebiet 83 Parkplätze und 76 Garagen weg. Dafür entstehen folgende neue Parkplätze:

• 19 Plätze auf dem Innenhof der Johannes-R.-Becher-Straße 47-50

• 35 Plätze auf dem Innenhof eines Wohnblocks in der Hans-Grundig-Straße

• 69 Plätze im Inneren der Wendeschleife

• weitere Parkplätze entlang der Parallelfahrbahn

Fahrradweg

Ab Ebendorfer Chaussee bis zur Einmündung Kannenstieg soll es einen Schutzstreifen auf der Fahrbahn geben. Weiter nördlich ist kein separater Radweg vorgesehen. Eine Verkehrszählung habe ergeben, dass dieser aufgrund des geringen Radverkehrs auf diesem Abschnitt nicht gerechtfertigt wäre, so die MVB.

Bäume

Im Februar wurden 121 Bäume für den neuen Fußweg, die Straße, für Parkplätze und natürlich für die Verlegung der Gleise selbst gefällt. Birgit Münster-Rendel sagte dazu: „Es ist ein schwerer Weg, der leider dazugehört und Voraussetzung ist, damit wir diesen Umbau umsetzen können.“

Die Allee soll wiederhergestellt werden. Dafür werden 131 Bäume gepflanzt. Da sich die neue Trasse zum Teil in der Quarantänezone des Asiatischen Laubholzbockkäfers befindet, war die Artenauswahl eingeschränkt.

Gepflanzt werden:

• Schnurbäume entlang der Johannes-R.-Becher-Straße

• Gleditschien – das sind Lederhülsenbäume ohne Dornen – auf dem Parkplatz gegenüber dem Einkaufszentrum

• zwei Winterlinden „Greenspire“ vor dem Einkaufszentrum

• Blütenkirschen

• Baummagnolien

• säulenförmige Stieleichen, Robinien, Blütenkirschen, Tulpenbäume und Hopfenbuchen an der Wendeschleife

• Hainbuchen und Wildobst in den naturnahen Gehölzflächen an der Wendeschleife

Alle Bäume werden drei Jahre gepflegt.

Linienführung

Die Buslinie 69 wird durch die Straßenbahnlinien 1 und 8 ersetzt. Der Kannenstieg wird im 10-Minuten-Takt von einer Bahn angefahren. Für die jeweiligen Linien bedeutet dies:

Die Linie 1 fährt im 20-Minuten-Takt – abwechselnd von den Endstellen Kannenstieg und Ikea – über die Ebendorfer Chaussee, Klosterwuhne und Lübecker Straße zur Leipziger Chaussee.

Die Linie 8 verkehrt im 20-Minuten-Takt – abwechselnd von den Endstellen Kannenstieg und Ikea – übers Neustädter Feld und den Damaschkeplatz bis Westerhüsen.

Nachts wird weiterhin die Nachtbuslinie N7 fahren.

Weil nicht alle interessierten Bürger aus Platzgründen an der Versammlung teilnehmen durften, gibt es am 28. März, 18 Uhr, im Haus der MVB, Otto-von-Guericke-Straße 25, einen Zusatztermin. Bürger können Fragen stellen.

(Quelle: Volksstimme, 16.03.2019)

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