Vorerst kein Hausbesuch von Handwerkern

„Stadtfelder“-Genossenschaft setzt wegen Ansteckungsgefahr Wartung und Reparaturen „auf unbestimmte Zeit“ aus

Muss in Zeiten von hoher Ansteckungsgefahr durch Corona ein Techniker von Tür zu Tür gehen, um die Elektroanlage zu warten? Die Stadtfelder-Genossenschaft sagt „Nein“ und bläst die Maßnahme ab. Das Stadtoberhaupt hat damit aber kein Problem.

„Ich halte dies für unverantwortlich“, schreibt ein Mieter des Zehngeschossers am Hanns-Eisler-Platz in einem Leserbrief. Er und alle seine Nachbarn waren vor wenigen Tagen darüber informiert worden, dass am 6. April eine Überprüfung der elektrischen Anlage durchgeführt werden soll. Den Mitarbeitern der beauftragten Elektrofachfirma solle dazu freier Zugang zu den Wohnungen eingeräumt werden.

Doch wie verträgt sich das mit den strengen Auflagen der Landesregierung zur Eindämmung des Coronavirus, fragt sich der Mieter. Soziale Kontakte sollen demnach eigentlich auf das Nötigste beschränkt werden. Und dann gehen, ohne dass es beispielsweise einen Notfall gibt, ein oder mehrere Techniker durch Hunderte Wohnungen? „So viel Sicherheitsmaßnahmen kann man gar nicht ergreifen, um solch eine Art der Verbreitung des Coronavirus zu verhindern“, findet der Mieter.

Jens Schneider ist Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft „Die Stadtfelder“ eG, zu der der Wohnblock im Kannenstieg gehört. Er erklärt auf Volksstimme-Anfrage zu dem Sachverhalt: „Die Thematik wurde in unserem Krisenstab intensiv diskutiert, mit dem Ergebnis, die Wartung bzw. Überprüfung der E-Anlagen vorerst auf unbestimmte Zeit zu verschieben.“ Die betroffenen Mieter am Hanns-Eisler-Platz seien bereits per neuem Aushang darüber informiert worden.

Die Corona-Pandemie und ihre weitreichenden Folgen stellen auch die Stadtfelder-Genossenschaft vor eine schwere Aufgabe. „Die Situation ist dynamisch und täglich bewerten wir diese neu. Um unsere Mitglieder, Mitarbeiter und Handwerker zu schützen, ergreifen wir notwendige Maßnahmen“, sagt Jens Schneider. Deshalb sei nun auch beschlossen worden, „alle nicht zwingend notwendigen Reparaturen auszusetzen“. „Das betrifft auch die turnusmäßige Wartung der Gasetagenheizung und die Kontrolle der Lüftungsanlagen“, nennt der Genossenschaftsvorstand zwei konkrete Beispiele.

Dass diese Aufträge nun nicht erteilt werden, habe aber wiederum wirtschaftliche Folgen für die Handwerksbetriebe, mit denen die „Stadtfelder“ teilweise seit vielen Jahren zusammenarbeiten, erinnert Jens Schneider. Um diese abzumildern, prüfe man alternative Arbeiten in Gemeinschaftsbereichen, die ohne Probleme durchgeführt werden können, wie zum Beispiel die Überprüfung von Wasserfiltern, die Kontrolle von Absperrventilen oder die Schornsteinprüfung vom Dach aus. „Wir wollen dazu beitragen, dass unsere Wirtschaftspartner die Krise möglichst gut meistern“, sagt er.

Auch der Stadtverwaltung wurde die Frage der Notwendigkeit von Hausbesuchen von Handwerkern zu Coronazeiten in den vergangenen Tagen häufig gestellt, wie es auf eine Volksstimme-Anfrage heißt. Per Pressemitteilung hat Oberbürgermeister Lutz Trümper dazu Stellung bezogen. Demnach denkt er bei dem Thema zunächst an die Handwerksbetriebe. „Gerade jetzt, wo viele Menschen zu Hause sein müssen, sollten vorgesehene Maßnahmen wie die Kontrolle von Rauchmeldern oder der Austausch von Wasserzählern stattfinden. Wir sind froh über jeden Betrieb, der derzeit Aufträge hat und diese ausführt“, erklärt er. Alle Betriebe, die nicht wegen der Auflagen schließen mussten, vor allem im handwerklichen Bereich, seien angehalten, weiterhin ihre Dienstleistungen anzubieten, betont das Stadtoberhaupt.

Bedenken angesichts der möglichen Ausbreitung des Coronavirus durch solche Wohnungsbesuche teilt er nicht. Er warnt nur, dass der Kontakt zu den Handwerkern „nicht zu leichtsinnigem Verhalten führe“. „Das A und O bei jeder Kontrolle und jeder Reparatur – egal, ob bei den Kunden daheim oder in Werkstätten – ist die Einhaltung strengster Hygieneregeln und dass immer ein Mindestabstand von 1,5 Metern gewahrt bleibt“, so Trümper.

(Quelle: Volksstimme, 27.03.2020)

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