Scharfe Kritik an Strecken-Aus zu Ikea

Debatte um die befristete Stilllegung der Trasse zum Möbelhaus am Kannenstieg wird heftiger

Der Fahrgastverband hat die Einstellung des Straßenbahnverkehrs zu Ikea scharf kritisiert. Die Maßnahme sei eine „verkehrs- und klimapolitische Bankrotterklärung“, erklärte Vorsitzender Tom Bruchholz. Und sein Vorstandsmitglied Fred Lasse schiebt nach: „In einer Zeit, wo das höchste deutsche Gericht der Politik ins Stammbuch geschrieben hat, mehr für den Klimaschutz zu tun, ist diese geplante Streckenstilllegung peinlich und inakzeptabel und lässt zudem jegliches politisches Gespür vermissen.“ Die Volksstimme hatte in der vergangenen Woche berichtet, dass die Straßenbahntrasse zu Ikea ab der Einmündung der Johannes-R.-Becher-Straße für vier Jahre stillgelegt wird. Anlass ist laut MVB die Inbetriebnahme der neuen Strecke in den Kannenstieg hinein. In diesem Zusammenhang werde zunächst ein unvollständiges Gleisviereck in der Kreuzung gebaut, das nur ein Abbiegen in den Kannensteig ermöglicht. Die Geradeausspur zu Ikea sei solange gekappt, bis aus dem Milchweg heraus die neue Trasse angeschlossen werde. Das Verkehrsunternehmen hatte das mit technologischen Ursachen begründet. Wenn die MVB das behauptet, sei dies mehr als absurd. Der Einbau eines unechten Gleisviereckes dauere bei guter Vorplanung einige Wochen, aber keineswegs vier Jahre, schimpfte daraufhin Marco Hennings, stellvertretender Vorsitzender des Fahrgastverbandes. Erneut werde hier den Fahrgästen wie auch schon in Rothensee nicht die Wahrheit gesagt. „Ehrlicher wäre es, wenn die MVB den Menschen reinen Wein eingeschenkt und sagt, wir haben weder Straßenbahnen noch Personal, um die neue Linie in den Kannenstieg zu eröffnen, deswegen müssen wir die Linie 1 stilllegen.“ Die geplante Ersatzanbindung zu Ikea mit Bussen bedeute zusätzliches Umsteigen, längere Fahrzeiten und mehr CO2-Ausstoß. Der Fahrgastverband fordert nun, die Linie 8 ab 2. September wieder in Betrieb zu nehmen und diese auf der Neubaustrecke zum Kannenstieg fahren zu lassen, wie es ursprünglich auch vorgesehen gewesen sei. Nach einer kurzen Umbaupause könne die Linie 1 dann wieder wie gewohnt zu Ikea fahren. Die Linie 8 werde ohnehin im Süden schmerzlich vermisst, würde sie doch gerade im Schülerverkehr zur deutlichen Entlastung der Linie 2 in Buckau, Salbke und Westerhüsen beitragen.

(Quelle: Volksstimme, 01.06.2021)

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