62 Menschen aus Hochhaus evakuiert

Großeinsatz bei Wohnungsbrand im Zehngeschosser / MVB-Bus dient Bewohnern als Zufluchtsort

Dramatische Szenen in der Johannes-R.-Becher-Straße: In der neunten Etage eines Hochhauses war in der Nacht zum Sonntag eine Wohnung in Brand geraten. Kurz vor Mitternacht mussten 62 Personen evakuiert werden. In einem Bus der Magdeburger Verkehrsbetriebe wurden die Bewohner behandelt und konnten sich aufwärmen.

Das Baby war gerade eingeschlafen. Zwei Stunden hatte Katharina Strobel mit ihrem neun Monate alten Sohn wegen einer Atemwegsinfektion in der Notaufnahme verbracht. Ihre beiden Teenager waren Schlafgäste bei Freunden, so dass daheim in der Johannes-R.-Becher-Straße langsam Ruhe einkehrte. Bis zu dem Moment, in dem es plötzlich an der Tür hämmerte und jemand schrie: „Raus hier! Raus hier! Es brennt.“ Katharina Strobel und ihr Partner schnappten sich das Baby und was sie gerade Warmes greifen konnten und rannten vor die Tür – zum Glück kein weiter Weg. Sie wohnen in der ersten Etage.  „Als wir vor die Tür kamen, standen schon viele Bewohner draußen“, erzählt sie. Soweit sie weiß, seien auf jeder Etage seien Polizisten gewesen, die energisch an die Türen der Bewohner klopften. Schließlich war es kurz vor Mitternacht und etliche Menschen schließen schon. So, wie ein älteres Paar aus der siebenten Etage. „Wir können von Glück reden, dass unsere Schlafzimmertür auf war. Denn wäre sie zu gewesen, hätten wir auch kein Klopfen gehört“, erzählt er. Nur zwei Etagen trennte das Paar von der Brandwohnung. Ein Mieter aus der obersten Etage des Zehngeschossers habe den Brandmelder aus der betroffenen Wohnung in der neunten Etage gehört und eine Bekannte aus der ersten Etage verständigt, die wiederum die Feuerwehr rief, erzählt er. „Die beiden haben unser Leben gerettet.“

Mieter der Brandwohnung erleidet Rauchgasvergiftung

Wie Brandoberinspektor Daniel Sanftenberg mitteilte, versuchten zudem mehrere Personen sich durch das verqualmte Treppenhaus in Sicherheit zu bringen. Insgesamt 62 Personen wurden evakuiert. Zeitweise mussten die Einsatzkräfte die Menschen unter schwerem Atemschutz retten und den Brand bekämpfen. Aus der brennenden Wohnung in der neunten Etage konnte der 52-jährige Mieter gerettet werden. Entgegen einer ersten Information der Rettungskräfte habe er aber keine schweren Brandverletzungen erlitten, musste aber dennoch mit einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden. Neben dem Wohnungsmieter sei zudem eine 66-jährige Hausbewohnerin wegen eines Schocks behandelt worden, teilte Polizeihauptkommissar Fabian Kern mit. Die Situation, die sich den Einsatzkräften Sonnabendnacht bot, war dramatisch. Bereits auf der Anfahrt zur Einsatzstelle konnten die anfahrenden Kräfte der Feuerwehr schwarzen Rauch und Flammenschein aus der Wohnung sehen. Beim Eintreffen am Einsatzort standen indes schon zahlreiche Personen auf der Straße. Sie seien teilweise verängstigt und verunsichert gewesen, da die Wohnung vollständig brannte, berichtet Brandoberinspektor Daniel Sanftenberg. Aufgrund der hohen Anzahl von betroffenen Personen und den niedrigen Temperaturen wurde ein Bus der MVB an die Einsatzstelle alarmiert. In diesem konnten die evakuierten Personen durch Kräfte des Rettungsdienstes behandelt werden. „Viele waren ja aus dem Schlaf gerissen worden und waren kaum bekleidet. Der Bus war schnell da, so dass sich die Bewohner aufwärmen konnten“, erzählt Katharina Strobel. Ihr Nachbar aus der siebenten Etage durfte sich mit seiner Frau sogar im Feuerwehrauto wärmen und warten.

Bewohner können gegen 1.30 Uhr in ihre Wohnungen

Gegen 1.30 Uhr konnte das Gros der Mieter dann wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Die Brandwohnung wurde durch das Feuer hingegen vollständig zerstört und ist zurzeit unbewohnbar. Weitere Wohnungen wurden durch den schnellen Einsatz der Berufsfeuerwehr Magdeburg, die von den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Olvenstedt unterstützt wurde, nicht in Mitleidenschaft gezogen. Der entstandene Brandschaden wird auf eine untere fünfstellige Summe geschätzt. Eine Brandursachenermittlung wurde durch die Polizei eingeleitet. Nach derzeitigem Erkenntnisstand könne sowohl ein technischer Defekt als auch ein unsachgemäßer Umgang mit Zündquellen nicht ausgeschlossen werden.

(Quelle: Volksstimme, 08.11.2021)

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