Hier lernen Kinder das Streiten

Kinder sind impulsiv. Konflikte eskalieren schnell. Damit nicht immer die Erwachsenen schlichten müssen, werden in einer Magdeburger Kita kleine Friedensstifter ausgebildet.

Schlagen, beißen, treten. Wer es nicht anders gelernt hat, löst Konflikte mit Gewalt. Emotionen werden durch Tätlichkeiten kanalisiert oder sie arten in heftige verbale Attacken aus – insbesondere bei Kindern. So manch' Eltern sind von der Zankerei ihrer Sprösslinge genervt. Sie tun Konflikte gern mal ab, ohne auf sie einzugehen und so „richtiges“ Streiten zu lehren. Alleingelassen mit ihren Emotionen, folgen insbesondere kleine Kinder dann ihren Impulsen. Das Ergebnis: fehlende Kompetenzen zum konstruktiven Streiten.

Streitkompetenzen fehlen

Vivian Zuther, Leiterin der Awo-Kita „Bummi“ im Kannenstieg, weiß: Viele Lehrer beklagen, dass Grundschulkindern grundlegende Konfliktlösungsstrategien fehlen. „Ihnen fehlt es schlicht an Kompetenzen, die für ein konstruktives Streiten nötig sind.“ Kleine Kinder ziehen daher häufig Erwachsene zur Lösung ihrer Konflikte heran. Dabei können sie Konflikte durchaus schon allein regeln - mit dem richtigen Handwerkszeug. Gemeinsam mit der Kita-Sozialarbeiterin Kristin Voigt hat Vivien Zuther sich der Problematik angenommen und ein Konzept entwickelt. Unter der Überschrift „Vielfalt leben, Frieden fördern“ bilden sie seit Mai in ihrer Einrichtung kleine Friedensboten aus. Zehn vier- bis sechsjährige Jungs und Mädchen sollen befähigt werden, mit Konflikten umzugehen und sie konstruktiv zu lösen. Auch sollen sie in Streitsituationen als Vermittler helfen können. Vivian Zuther erklärt: „Für ältere Kinder gibt es die Ausbildung zum Streitschlichter, für Erwachsene zum Mediator. Nur für Kindergartenkinder fanden wir kein adäquates Angebot.“ Daher haben sie selbst eines erstellt. Allem voran steht das Kennenlernen von Emotionen. Denn: „Kleine Kinder haben große Probleme, ihre Gefühle zu benennen.“ Ist es Wut, die ich fühle? Bin ich traurig oder eifersüchtig? Habe ich Angst? Mit Hilfe sogenannter Gefühlsmonster-Karten lernen sie, sich mit unterschiedlichen Emotionen auseinanderzusetzen. Darauf aufbauend wird Empathie entwickelt. Sie lernen, sich in andere Kinder hineinzuversetzen.

Ohne Zutun von Erwachsenen

Die Streitschlichtung üben die Kinder dann unter anderem durch sozial-emotionales Lernen, Schritt für Schritt mit einem Friedensteppich. Sie klären: Was ist passiert? Wie hast du dich gefühlt? Was wünscht du dir? Und final treffen sie eine Vereinbarung.

Selbstständigkeit fördern

„Wir wollen die Selbstständigkeit der Kinder fördern“, erklärt Sozialarbeiterin Kristin Voigt. „Sie müssen nicht mehr bei jedem Streit zu den Erziehern rennen und hoffen, dass sie ihren Konflikt lösen. Sie können das – natürlich bis zu einem gewissen Rahmen – allein.“ Drei Monate lang üben die Kinder in der Kannenstieg-Kita zweimal wöchentlich das „richtige“ Streiten und zum interkulturellen Sommerfest am 12. Juli erhalten sie ihr Zertifikat als Friedensstifter.

 

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